Presseschau August 2010
Umgang wie Aufarbeitung der Geschichte von DDR und deutscher Einheit lieferten auch in den vergangenen Wochen wieder ausreichend Material für zahlreiche Presseartikel. Der 13. August, als Jahrestag des Mauerbaus, nahm hierbei, wie nicht anders zu erwarten, einen besonders breiten Raum ein. Dabei kam wieder einmal zum Vorschein, dass die Frage, wie viel Bedeutung dieser praktischen Zementierung der deutsch-deutschen Teilung beizumessen sei, in der deutschen Presse noch lange nicht geklärt ist. mehr
Aus der Presselandschaft der vergangenen Tage lassen sich vor allem zwei Themen herauskristallisieren: die Stasi und der Umgang mit der SED-Vergangenheit. Während unter den ehemaligen DDR-Funktionären der Unmut über die Kürzung ihrer Renten wächst, erklärte der letzte Innenminister der DDR, dass sogar der Runde Tisch von Stasi-Mitarbeitern durchsetzt war. Unterdessen hat die Bundesregierung beschlossen, öffentlich Bedienstete bis 2019 auf ihre mögliche Stasi-Vergangenheit zu prüfen, und die "Welt" philosophiert über die Parallelen zwischen der Sprache der SED und der Sprache der Nationalsozialisten. mehr
Nachdem die Medien sich in den vergangenen Wochen mit der Wahl des neuen Bundespräsidenten beschäftigten, fehlt nun das eine übergreifende Thema mit DDR- oder auch nur Ost-West-Bezug. Neben einzelnen Rückblicken auf den 20. Jahrestag der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion und des Ländereinführungsgesetzes finden sich nüchtern gehaltene Artikel über die Enquete-Kommission zum Umgang mit der SED-Diktatur im Land Brandenburg, die vor wenigen Wochen ihre Arbeit aufgenommen hat. Hitziger geht es zwischen den einstigen "Organen" der SED- und FDJ-Führung, dem "Neuen Deutschland" und der "Junge Wel", zu. Und auch ein vom MDR aufgedeckter Skandal um illegale Medikamententests an DDR-Bürgern sorgt für Aufruhr. mehr
Die Nominierung von Joachim Gauck zum Kandidaten des Bundespräsidentenamts hat einigen Wirbel verursacht. Als Pfarrer in der ehemaligen DDR und ehemaliger Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen ist Gauck überraschenderweise eine Figur, deren Nominierung zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch für Furore sorgt und dadurch deutlich macht, dass viele Konflikte, die in der DDR und im Laufe der Wiedervereinigung entstanden, noch nicht beigelegt sind. mehr
"Der nächste Streit um die DDR-Vergangenheit" lautete die Überschrift zum Bericht des Tagesspiegels über die Diskussion, die kürzlich in Brandenburg über die Zwangskollektivierung der DDR-Landwirtschaft entbrannte. Doch in der mitunter heftig geführten Debatte ging es nicht nur um die DDR-Vergangenheit, sondern auch um Entscheidungen im Einigungsprozess von 1990. mehr
Ob wissenschaftlich oder privat, parallel zum Mauerfalljubiläum haben neben den offiziellen Seiten der großen öffentlichen Institutionen immer mehr Blogs die Friedliche Revolution, den Weg zur deutschen Einheit und weitere Themen der DDR-Geschichte zum Inhalt. Einige Portale verblüffen mit einer wahren Flut von Artikeln, die einerseits informieren, andererseits aber vor allem die Erinnerung an das geschichtsträchtige Jahr 1989 wachhalten wollen. Daneben finden sich weitere Portale mit nur wenigen ausgesuchten Beiträgen, die spezifische DDR-Themen wissenschaftlich diskutieren. mehr
Im April würdigte die Presse fast gleichzeitig den 80-jährgen Helmut Kohl und den 90-jährigen Richard von Weizsäcker. Der eine wurde 1990 zum ersten Kanzler, der andere zum ersten Präsidenten des wiedervereinigten Deutschland. Während der eine im Einigungsprozess auf Tempo setzte, mahnte der andere zur Besinnung und Vorsicht. Während Kohls Verdienste um die Deutsche Einheit heute unbestritten sind, fallen die Urteile über von Weizsäcker kontrovers aus. Doch die Zweifel an seiner konstruktiven Rolle im Einigungsprozess können nicht überzeugen. mehr
Helmut Kohl hat durch sein außenpolitisches Geschick nach dem Mauerfall einen wesentlichen Beitrag zur deutschen Einheit geleistet. Zu seinem 80. Geburtstag erinnerten die Zeitungen an den Staatsmann Helmut Kohl. In Erinnerung blieben vielen Journalisten jedoch auch sein schwieriges Verhältnis zu den Medien und sein eigentümlicher Politikstil, zu dem auch Ehrenworte und schwarze Kassen zählten. mehr
Wenn man die diesjährige Leipziger Buchmesse mit wenigen Namen beschreiben müsste, wären das wohl Günter Grass, Richard von Weizsäcker und E-Books. Der Nostalgieexpress traf am vergangenen Wochenende sozusagen auf den vermeintlichen Buchverdränger. Stellt sich nur die Frage, wer das Duell der Superlative gewonnen hat. mehr
Übermäßige Einheitlichkeit in der Ziel- und Themenwahl prägte die Presselandschaft der vergangenen zwei Wochen nicht. Neben den Rückblicken auf das Wirken der Treuhand oder die letzte Tagung des Runden Tisches stehen die derzeitigen Stasi-Vorwürfe gegen den Ehemann der designierten Linkspartei-Chefin Gesine Lötzsch. Außerdem geht der Blick visionär-apokalyptisch in die Zukunft. Den Anstoß dazu liefert der Sat1-Zweiteiler "Die Grenze", der die erfolgreiche, retrospektivische Fiktionalisierung der DDR in deutschen Spielfilmen im Genre des futuristischen Katastrophenfilms fortsetzen will. mehr
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